Stolz

Stolz ist ein positives Gefühl, das wir nach dem Erreichen eines Zieles empfinden. Aber Stolz hat auch eine negative Seite, wenn er übertrieben und falsch ist. Dieser Beitrag gibt hilfreiche Informationen über eine vielschichtige Emotion.

Stolz

Stolz ist eine vielschichtige Emotion. Wir entwickeln sie in der Interaktion mit anderen und im Bewusstsein über uns selbst. Mit Stolz bezeichnen wir einerseits ein positives Gefühl, das wir z. B. nach dem Erreichen eines Zieles, durch eine besondere Leistung oder auch in Bezug auf andere empfinden. Wir erleben eine hohe innere Zufriedenheit. Andererseits hat übertriebener Stolz auch seine Schattenseiten.

Die zwei Seiten von Stolz

Stolz kann unterschiedliche Formen annehmen und ist eine universale, sogenannte sekundäre Emotion. Wir erleben sie im Laufe unserer Kindheit, wenn wir zwischen uns und anderen unterscheiden können. 

Früher wurde Stolz vor allem als ein negatives Gefühl angesehen, weil es mit Überheblichkeit und gleichzeitiger Abwertung anderer Menschen assoziiert wurde.  

Die Wissenschaftler Tracy und Robbins unterscheiden den sogenannten authentischen und überheblichen Stolz. Je nachdem ist Stolz entweder mit einem Gefühl von Selbstwert verbunden oder eher mit Arroganz assoziiert. So kann Stolz unsere Grundhaltung widerspiegeln und sich positiv oder negativ auf unsere sozialen Beziehungen auswirken. 

Stolz bezeichnet also einerseits ein positives Gefühl, das wir z. B. nach dem Erreichen eines bestimmten Zieles empfinden. Wir erleben dann eine hohe innere Zufriedenheit. Dieses Gefühl gilt in unserer Gesellschaft als erstrebenswert, was sich in Sätzen ausdrückt wie: "Du kannst stolz auf dich sein." Gut beobachten können wir Stolz auch im Sport, z. B. bei Athleten und Athletinnen, die eine Medaille oder einen Wettkampf gewonnen haben.

Wenn wir uns über eine Gruppe oder ein Land definieren, können wir auch hier (sozusagen stellvertretend) Stolz empfinden. Die Wissenschaftler Salice und Sánchez sprechen von hetero-induziertem Stolz. So gibt es den Nationalstolz, bei dem die Bevölkerung oder eine Gruppe z. B. auf die Leistung der Fußballmannschaft stolz ist.  

Extremer Stolz kann zu Hochmut, Arroganz und anmaßendem Verhalten führen. Wir schauen dann auf andere herab, sind hochnäsig, verurteilen andere und fühlen uns als jemand Besseres. Beispielsweise kann dahinter auch ein Glaubenssatz stehen wie: "Ich muss immer der oder die Beste sein." Im Grunde steckt dahinter in der Regel ein tiefes Minderwertigkeitsgefühl.

Wie zeigt sich Stolz?

Stolz in seiner ausgeprägten Form geht meist einher mit einer ganz charakteristischen Mimik, Gestik und Körperhaltung: Die Arme werden v-förmig nach oben gehoben, der Kopf wird zurückgelegt, die Fäuste werden in die Hüfte gestemmt und die Brust wird hervorgestreckt ? die stolz geschwellte Brust. Die damit einhergehende positiven Einstellung uns selbst gegenüber lautet: "Schaut, was ich Außergewöhnliches geleistet habe. Ich bin begeistert von mir." Stolz kann sich selbstverständlich auch subtiler zeigen, z. B. allgemein durch eine aufrechte Haltung, ein Lächeln, eine selbstbewusste Ausstrahlung und Souveränität im Zusammenhang mit einem Ereignis oder sogar unabhängig davon. 

Im negativen Fall zeigt sich Stolz durch eine distanzierte, kühle, überlegen wirkende Haltung mit entsprechender Wirkung auf andere.

Wie entsteht Stolz?

Stolz ist eine Emotion, die noch nicht von Geburt an da, sondern erst im Verlauf des Kindesalters erlebbar wird. Wir empfinden Stolz, wenn wir uns unserer selbst und der Umwelt bewusst sind und einordnen können, was grundsätzlich richtig und gut ist und was weniger. Wir sind etwa stolz, weil wir etwas gut machen oder gemacht haben, uns etwas zugetraut, also unsere persönlichen Grenzen überwunden haben, weil wir Teil von etwas sind, was uns gefällt, weil wir die Leistung eines anderen Menschen anerkennen oder auch, weil wir "etwas besser wissen" oder uns jemandem überlegen fühlen. 

Stolz hat wie andere Emotionen viel mit unserer persönlichen Bewertung zu tun – tut uns etwas gut und lässt es uns oder andere wachsen, fühlen wir uns „besser“, oder möchten wir einfach unseren Wert anerkennen, auch oder gerade wenn es andere nicht tun? 

Wenn wir etwas selbst geschaffen oder geschafft haben, uns ein Ergebnis also selbst zuschreiben können, macht uns das besonders stolz. Haben wir zufällig Erfolg oder meinen, unser Erfolg läge außerhalb unserer Kontrolle, kann das unser Empfinden für Stolz oder Anerkennung für uns selbst schmälern. 

Auch können wir uns im Erfolg von anderen "sonnen", wenn wir entweder Teil eines Projektes, einer Idee oder von etwas anderem für uns Erstrebenswertem sind oder uns diesen Teil zuschreiben oder sogar, wenn sich dahinter versteckter oder offener Neid verbirgt.

Welche Funktion hat Stolz?

Stolz kann uns fördern oder hemmen. Das Gefühl von Stolz fördert unser Selbstbewusstsein und -wertgefühl, und umgekehrt erleben wir Stolz eher, wenn wir selbstbewusst sind und unseren Wert erkennen und anerkennen. Die Aussicht auf die erfolgreiche Bewältigung eines Ziels oder soziale Anerkennung kann uns anspornen, zu Höchstleistungen bringen, dazu führen, dass wir uns ganz selbst entfalten oder auch hilfsbereit zu sein. Wir streben also danach, stolz auf uns sein zu können, und uns in der Gruppe oder Gesellschaft zu positionieren. Im Idealfall motivieren wir andere dazu, stolz auf sich selbst zu sein, solange es sich um eine gesunde Form handelt. 

Eine stolze Ausstrahlung kann im positiven Sinne auf andere anziehend wirken und implizieren, dass uns von außen mehr zugetraut wird. Sie kann auch das Gegenteil hervorrufen, nämlich, dass wir uns von bestimmten Menschen fernhalten möchten. 

Wenn wir stolz auf uns (oder andere) sind, lassen wir unser Umfeld (oder sogar die Welt) gerne daran teilhaben. Wir verankern etwas. Kinder sind beispielsweise stolz, wenn sie etwas Neues können oder neu gelernt haben oder auch auf ein besonderes Spielzeug, was nur sie besitzen: "Schau mal!"

Stolz kann auch eine Art Schutzfunktion haben, wenn wir nicht verletzt werden möchten oder stattgefundene Verletzungen kaschieren, wenn wir uns Fehler nicht eingestehen möchten. So wirken manche Menschen auf uns unnahbar oder können sich nur schwer entschuldigen, wenn es angebracht wäre. Im negativen Fall profiliert sich jemand unter Umständen auf Kosten anderer oder mehr zum "Schein", um sich Anerkennung zu verschaffen.

Stolz hat Auswirkungen auf unser Verhalten

Wenn wir stolz auf uns und unsere Leistung oder Handlung sind, dann trauen wir uns mehr zu und haben manchmal auch beruflich oder privat eine Vorbildfunktion oder führende Rolle. Unser Umfeld reagiert uns gegenüber, z. B. nach einer  außergewöhnlichen Leistung, meist mit Respekt und Bewunderung oder Anerkennung.

Wenn unser Stolz hingegen verletzt ist, dann kommt es zu Konflikten – etwa mit unserem Partner. Wir können uns z. B. als im Stolz verletzt erleben, wenn wir uns als Mensch nicht anerkannt und respektiert oder verkannt fühlen. Im Falle eines verletzten Nationalstolzes können politische Konflikte oder sogar Kriege die Folge sein.

Zu großer und falscher Stolz hat Nachteile

Solange unser Stolz nicht anmaßend ist und er sich z. B. auf eine bestimmte Handlung von uns bezieht, die wir für uns oder die Gemeinschaft erbringen und mit der wir niemandem schaden, können und dürfen wir stolz sein. Ja, Stolz ist und gibt uns neue Energie. Gesunder Stolz fördert uns selbst und unser Miteinander, wenn wir für das Gute im Leben einstehen. 

Mit übertriebenem Stolz schaden wir dagegen nicht nur uns, sondern auch anderen.

Wenn wir auf etwas extrem stolz sind, das vergänglich ist (Schönheit, gutes Aussehen, eine Begabung, gewisse Fertigkeiten) und etwas davon verlieren, geraten wir womöglich in eine Krise. Das kann zu Minderwertigkeitsgefühlen und Depressionen führen oder beides verstärken. 

Wenn wir uns auf Kosten anderer profilieren, erreichen wir letztlich das Gegenteil des Gewünschten und machen uns zum Außenseiter.

Wie können wir mehr Stolz erleben?

Um dem positiven Gefühl von Stolz in unserem Leben einen festen Platz zu geben, können wir einen Moment innehalten: Was genau würde uns stolz machen? Was können wir unterlassen, um das Gefühl von Stolz nicht zu verhindern oder falschen Stolz zu reduzieren? Das kann sehr individuell sein. Hier sind sechs grundlegende Beispiele:

Uns unseres Wertes bewusst sein

Wir haben schon alles, um stolz auf uns sein zu können – grundlos. Wir sind vollkommen mit allem, was in unserem Rucksack steckt, dem Schönen und weniger Schönen und als individuelle Persönlichkeit. Wenn wir zu uns, unseren Erfahrungen und unseren vermeintlichen Schwächen stehen, fällt es uns leichter, eine stolze Haltung einzunehmen, ohne auf andere herabzuschauen, uns (oder andere) zu verurteilen oder uns zu vergleichen. 

Freundlich sein

Wenn wir freundlich sind und z. B. täglich ein kleineres oder größeres gutes Werk tun, haben wir allen Grund, um zusätzlich stolz auf uns sein zu können. Das fängt bereits bei einem Lächeln, Freundlichkeit, Präsenz und Großzügigkeit im zwischenmenschlichen Umgang an und dabei, anderen keinen Schaden zuzufügen. Hier können wir selbst reflektieren: Wem kann ich heute Gutes tun? Was möchte ich unterlassen, weil es andere (und mich selbst) verletzt?

Unser Potenzial leben

Wenn wir wissen, wer wir sind und was wir können oder was uns interessiert, können wir auch danach leben. Wir streben dann nicht vor allem nach Anerkennung und Erfolg im Außen, sondern erreichen unsere ganz eigene innere Erfüllung – ganz im Einklang mit den inneren und äußeren Gegebenheiten. Dadurch entwickeln wir nachhaltige Zufriedenheit und schaffen Mehrwert für uns und andere, vielleicht sogar eine bessere Welt. Die fängt bekanntlich im Kleinen an. 

Dankbar sein

Wenn wir dem Leben, so wie es ist, mit täglicher Dankbarkeit begegnen, wird es uns möglich sein, mehr Stolz zu erleben auf uns und alles, was wir realisiert haben und täglich tun. Wir können dann sehen, was wir bereits erreicht haben und erreichen, statt uns mehrheitlich auf das zu konzentrieren, was noch fehlt. Kein noch so kleiner Erfolg ist selbstverständlich, sondern das Ergebnis unserer stetigen Bestrebung und inneren Kraft.

Auch mal nachgeben

Manchmal halten wir an unserer Meinung, Haltung und Sichtweise fest. In Auseinandersetzungen möchten wir ungerne den Kürzeren ziehen. Was, wenn wir das für einen Tag aufgeben und uns bewusst in unser Gegenüber hineinversetzen? Damit ist nicht gemeint, sich aufzugeben, wohl aber zu wachsen und die Form von Stolz, die uns zwischenmenschlich hinderlich ist, nach und nach abzulegen. 

Die Schönheit in unserem Gegenüber erkennen

Oft beschäftigen wir uns mit uns selbst, ob wir gut, schön, erfolgreich sind oder noch besser werden können. Was, wenn wir uns auch vermehrt auf das Schöne in der Welt oder im Anderen konzentrieren? Auf die Weise relativiert sich manches, wir beugen übertriebener Selbstzentrierung vor, die uns oft vor viele Fragen stellt, und es öffnen sich neue Türen. 

„Eitelkeit und Stolz sind zwei verschiedene Dinge, obwohl die Wörter oft bedeutungsgleich verwendet werden. Ein Mensch kann stolz sein, ohne eitel zu sein. Stolz hat mehr damit zu tun, was wir von uns selbst halten, und Eitelkeit mehr damit, wie wir von anderen gesehen werden wollen.“
Jane Austen
 

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 Wie zeigt sich Stolz?
 Wie entsteht Stolz?
 Welche Funktion hat Stolz?
 Stolz hat Auswirkungen auf unser Verhalten
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