Kaufsucht - Ursachen und Behandlung

mann mit vielen einkaufstüten

Das Einkaufen kann zur Sucht werden. Warum das so ist, das erklärt Dr. Doris Wolf in diesem Beitrag. Bild © Robert Kneschke - Fotolia.com

, Psychotherapeutin

Was ist Kaufsucht?

Unter Kaufsucht versteht man den inneren Zwang, kaufen zu müssen, die ständige Wiederholung der Kaufhandlung.

Suchtkriterien sind: Kontrollverlust, Zwang zur Wiederholung, Dosissteigerung, Entzugserscheinungen wie etwa Schweißausbrüche, Zittern, innere Unruhe und Depressionen. Hinzukommen Schuldgefühle, dass man sich nicht im Griff hat.

Durch die mit dem zwanghaften Kaufen verbundenen Geldausgaben kommt es häufig zu hohen Schulden bis hin zur Privatinsolvenz, Partnerschaftsproblemen und Arbeitsplatzproblemen.

Zu Beginn glaubt der Süchtige, durch den Kauf Anerkennung zu finden und wichtig zu sein. Das Kaufen löst kurze Glücksgefühle aus.

Danach folgt meist der Absturz in Depressionen, Existenzängste, Scham- und Schuldgefühle. Der Betroffene lügt und kapselt sich ab.

Die Kaufsucht ist eine Krankheit, vergleichbar mit anderen stofflichen und nichtstofflichen Süchten (Internetsucht, Spielsucht).

Menschen berichten über ihre Kaufsucht

Wie entsteht eine Kaufsucht?

Wie hinter jeder Sucht steckt auch hinter der Kaufsucht eine Sehnsucht - die Sehnsucht nach Anerkennung und Bestätigung, der Wunsch, positive Gefühle zu verspüren und die Betäubung negativer Gefühle wie einer inneren Leere.

Der Betroffene kommt in einen Teufelskreis: Der Drang nach Anerkennung und Bestätigung oder Gefühle wie Ärger und Stress verführen zum Kaufen.

Das Kaufen führt nach kurzer Zeit zu Schuldgefühlen und Depressionen.

Diese unangenehmen Gefühle versuchen Betroffene dann wieder mit Konsum zu betäuben.

Die Wurzeln für das Suchtverhalten liegen in der Kindheit: Mangel an Zuwendung und Anerkennung, Mangel an Liebe und Geborgenheit.

Betroffene mussten sich die Zuwendung der Eltern verdienen, durften Gefühle nicht frei äußern.

Sie haben erlebt, dass sie als Person nicht wichtig sind. Als Entschädigung gab es vielleicht Spielzeug.

Als Erwachsene haben sie nicht gelernt, sich selbst ein gesundes Selbstwertgefühl zu verschaffen.

Der Konsum ist für Kaufsüchtige der vergebliche Versuch, Minderwertigkeitsgefühle zu betäuben.

Untersuchungen zeigen: Je geringer das Selbstwertgefühl, desto eher lassen sich Menschen zum Kaufen verführen.

Das hat damit zu tun, dass das Kaufen das Belohnungssystem aktiviert und wir durch das Kaufen mit guten Gefühlen belohnt werden.

Manche Menschen haben als Kind auch unter materieller Entbehrung gelitten und werden aus diesem Mangelempfinden heraus kaufsüchtig.

Der Kauf bedeutet einen Ersatz an Zuwendung.

Kaufsuchtkranke haben auch nicht gelernt, sich mit Konflikten auseinanderzusetzen.

Probleme in der Familie, Sorgen um den Arbeitsplatz, eine quälende innere Leere, Frustrationen oder Einsamkeit werden mit Konsum verdrängt.

Besonders Frauen wollen mit dem Kaufen von Kleidung, Make-up und Schmuck ihre Unzufriedenheit mit ihrem Äußern bekämpfen - Männer häufen eher technische Geräte, wie Kameras und Computer, an.

Auch gesellschaftliche Bedingungen spielen eine Rolle: Das Kaufen ist gesellschaftlich akzeptiert und wird gefördert.

Kreditkarten erleichtern das Geldausgeben ebenso wie die Möglichkeit, 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche Bestellungen über das Internet zu tätigen.

Wie merkt man, dass man kaufsüchtig ist?

Eine Kaufsucht äußert sich in vielerlei Denk- und Handlungsweisen.

Der Psychotest Kaufsucht gibt Ihnen erste Hinweise, ob Sie an einer Kaufsucht erkrankt sind oder kaufsuchtgefährdet sind.

Wer ist betroffen?

60 Prozent sind Frauen, vor allem jüngere Frauen zwischen 20 und 30 Jahren. Die Sucht geht durch alle Schichten.

Nach einer Untersuchung der Universität Hohenheim sind 9 Prozent der Bundesbürger kaufsüchtig, und 23 Prozent stark kaufsuchtgefährdet.

Betroffene haben ein schwaches Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen und neigen zu Depressionen.

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Worin besteht der eigentliche Kick beim Kaufen?

Die Formel heißt: Ich kaufe, also bin ich wer. Kaufen vermittelt das Gefühl, sich etwas Gutes zu tun. Kaufen wird zum Erlebnis.

Beim Kaufen erlebt der Betroffene, beachtet und umworben zu werden. Er fühlt sich aufgewertet, sein Selbstwertgefühl steigt.

Die Stimmung hellt sich wie bei der Einnahme einer Droge kurzfristig auf, weil durch das Kaufen das Belohnungszentrum im Gehirn aktiviert wird.

Oder das Kaufen wirkt als Beruhigung bei unguten Gefühlen. Das Selbstwertgefühl wird gestärkt.

Es entsteht der Eindruck, Kontrolle über das Leben zu haben.

Sind Kaufsucht, zwanghaftes Geldausgeben und Verschwendungssucht dasselbe?

Die Grenze zwischen Kaufrausch und dem Zwang zum Kaufen sind fließend.

Viele Menschen gehen ab und zu zum Einkaufen, um sich zu trösten, kaufen aus Lust, Unzufriedenheit (Frustkäufe) oder Langeweile.

Solange dies nur anfallsweise auftritt, handelt es sich um ein normales Kaufverhalten und es besteht keine Kaufsucht.

Es ist eher ein Kaufrausch oder eine Kauflust, die unter Kontrolle sind.

Wie begründen & verschleiern Kaufsüchtige ihre Kaufsucht?

Vor sich und anderen begründen Betroffene ihren Konsum mit Worten wie: Es sind nur Sonderangebote. Ich habe viel Geld gespart. Das Geld ist selbstverdient. Ich lasse mir keine Vorschriften machen, wofür ich mein Geld ausgebe. Schulden mache ich keine. Ich habe die Kontrolle über meine Käufe. Ich wollte nur mal bummeln und schauen gehen. Dafür spare ich jetzt in nächster Zeit.

Viele Kaufsüchtige verstecken ihre Einkäufe aus Schuldgefühlen, Scham oder Angst, für ihr ungezügeltes Konsumverhalten kritisiert zu werden oder verschenken das Gekaufte.

Neigen Kaufsüchtige auch zu anderen Süchten?

Ja, wenn man Kaufsüchtigen die Möglichkeit nimmt, einkaufen zu gehen und die Ursachen (s.o.) nicht beseitigt, werden sie sich möglicherweise ein anderes Suchtverhalten zulegen.

Was tun, wenn man unter Kaufsucht leidet?

Wer kaufsüchtig ist, schafft es in der Regel nicht, aus eigenen Kräften davon loszukommen.

Dem Kaufzwang zu widerstehen erleben die meisten Betroffenen als zu schwer.

Deshalb ist eine psychotherapeutische Unterstützung und/oder der Besuch einer Selbsthilfegruppe meist die einzige Möglichkeit, eine Kaufsucht zu überwinden. Psychotherapeutensuche

Der Kaufzwang verschwindet, wenn die Ursachen - frustrierende Arbeitsbedingungen, schwierige Beziehung, Konflikte mit den Eltern, vor allem aber das negative Selbstwertgefühl - in einer Therapie beseitigt werden.

Die Leitfrage lautet dabei: Was brauche ich wirklich? Was fehlt mir? Zuwendung, Bestätigung, Selbstbewusstsein, eine sinnvolle Aufgabe?

Wie kann ich mich mehr befriedigt und ausgefüllt fühlen, ohne zu shoppen und Geld auszugeben?

Mehr zum Thema in Das Leben lieben, nicht die Dinge.

Auf jeden Fall muss man sich zuerst eingestehen, dass man süchtig ist und mit seiner Sucht etwas kompensieren will.

Erst dann ist der Weg frei für eine Heilung.

Betroffene sollten ihre Kredit- und Kundenkarten abschaffen, nur mit Einkaufszettel und Bargeld einkaufen, Spontankäufe vermeiden, den Dispositionskredit herabsetzen, nur in Begleitung des Partners einkaufen.

Hilfreich ist es auch, Konsumgüter für einige Stunden oder einen Tag zurücklegen zu lassen und die Kaufentscheidung nochmals zu überschlafen.

Wie bei jedem Suchtverhalten ist der Weg zweigleisig:

1. Unterbrechen des Suchtverhaltens

2. die Ursachen des Suchtverhaltens beseitigen durch z.B.:


Kaufsucht.html

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Dr. Doris Wolf
Dr. Doris Wolf Psychotherapeutin

Danke, dass Sie mir Ihre Zeit geschenkt haben. Seit 35 Jahren helfe ich Menschen bei der Bewältigung persönlicher Probleme. Einen Ausgleich zu meiner beruflichen Tätigkeit finde ich im Nordic Walking, der Meditation, dem Jin Shin Jyutsu und dem Backen von leckeren Kuchen & Gebäck.

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  1. Leserkommentar Alexander schreibt am 02.09.2019

    Ich bin totaler Fan von Modeshopping. Das ist ein Problem aber nicht mein größtes. Das größere Problem ist dass ich nur Arbeitslosengeld hab und ich generell noch nie gut mit Geld umgehen konnte. Ich wohne zwar zum Glück noch bei meiner Mutter weiß mir aber mittlerweile nicht mehr zu helfen und ich fühl mich einfach nur dämlich weil ich es einfach nicht in den Griff kriege! 😞😞😞

  2. Leserkommentar Alien schreibt am 17.08.2019

    Ich habe keine finanziellen Probleme, deswegen finde ich meine beginnende Kaufsucht nicht so schlimm. Trotzdem tröste ich mich häufig mit materiellen Dingen. Wenn ich irgendetwas, das ich mir wünsche, nicht kaufe, kriege ich es nicht mehr aus dem Kopf. Nach dem Kaufen habe ich ein schlechtes Gewissen und bin danach auch 3 Monate oder so abstinent. Bilde mir ein, dass ich die Sachen brauche.

  3. Leserkommentar Christine schreibt am 05.08.2019

    Aufgewachsen in der DDR, als Kind Krebs, Vater lies mich seinen Hass spüren. Zu kaufen gab es da nichts. Erst nach der Wende wurde das richtig schlimm. Vergewaltigung und Verlust des Kindes brachten mein Leben an den Rand des Abgrunds. Versandhäuser, Bestellungen, Kredite, Insolvenz. Was ich auch merke ist, das mein Gehirn mit der Flut der Angebote überlastet ist. Insolvenz ist vorbei, aber traumiatisert bin ich ein Leben lang durch das was ich erlebt habe.

  4. Leserkommentar Carina schreibt am 30.07.2019

    Ich habe durch das ständige kaufen Angefangen meinen Mann um unser Geld zu beklauen und als er es gemerkt hat habe ich es nicht zugegeben und es abgestritten und ihm Vorwürfe gemacht wie er mir so etwas zutrauen kann. Bis vor kurzem konnte ich nicht mehr und habe es ihm erzählt allerdings nicht von dem ganzen Geld sondern nur ein kleiner Teil, als er mich dann wieder fragte ob das auch wirklich Alles war habe ich lieber wieder gelogen als ihm die Wahrheit zu sagen. Einen Tag später hat er mich wieder darauf angesprochen und ich hab alles zugegeben ich habe überhaupt nicht gemerkt das meine kauferrei solche Ausmaße angenommen hat und ich hoffe das mein mann mir das verzeihen kann und ich werde mir hilfe suchen Lg

  5. Leserkommentar Silvia schreibt am 05.05.2019

    Hallo, ich habe von allem zuviel! Vor allem Kleidung, sodass ich schon lange nicht mehr alles in meinen Kleiderschrank bekomme bzw. an den Schrank nicht mehr normal drankomme und eigentlich gar nicht alles tragen kann, was ich kaufe. Im Urlaub genieße ich immer, dass ich nur wenige Sachen habe und auch dadurch besser Ordnung halten und meine Kleidungsstücke kreativ zusammenstellen kann.

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