Kaufsucht – Ursachen und Behandlung

Kaufsucht: Was steckt dahinter? Ursachen und Behandlung von Kaufsucht: Wer ist gefährdet an Kaufsucht zu erkranken? Psychotest zur Diagnose der Kaufsucht.

Kaufsucht – Ursachen und Behandlung
© Anna Dziubinska, unsplash.com

"Einkaufen kann süchtig machen!", heißt es, doch das Einkaufen kann wirklich zu einer Suchterkrankung mit ernsthaften Folgen für Betroffene und ihr Umfeld werden. Warum das so ist, wie es dazu kommt und wie Sie die Kaufsucht überwinden können, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Was ist Kaufsucht?

Unter Kaufsucht versteht man den inneren Zwang, kaufen zu müssen, die ständige Wiederholung der Kaufhandlung.

Suchtkriterien sind:

  • Kontrollverlust,
  • Zwang zur Wiederholung,
  • Dosissteigerung,
  • Entzugserscheinungen wie etwa Schweißausbrüche,
  • Zittern, innere Unruhe und Depressionen.
  • Hinzukommen Schuldgefühle, dass man sich nicht im Griff hat.

Durch die mit dem zwanghaften Kaufen verbundenen Geldausgaben kommt es häufig zu hohen Schulden bis hin zur Privatinsolvenz, Partnerschaftsproblemen und Arbeitsplatzproblemen. Zu Beginn glauben die Betroffenen, durch den Kauf Anerkennung zu finden und wichtig zu sein. Denn Kaufen löst kurze Glücksgefühle aus. Bald jedoch folgt meist der Absturz in Depressionen, Existenzängste, Scham- und Schuldgefühle. Die Süchtigen lügen und kapseln sich ab.

Die Kaufsucht ist eine Krankheit, vergleichbar mit anderen stofflichen und nichtstofflichen Süchten (Internetsucht, Spielsucht).

Menschen berichten über ihre Kaufsucht

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Wie entsteht eine Kaufsucht und wie merkt man, dass man kaufsüchtig ist?

Wie hinter jeder Sucht steckt auch hinter der Kaufsucht eine Sehnsucht – die Sehnsucht nach Anerkennung und Bestätigung, der Wunsch, positive Gefühle zu verspüren und die Betäubung negativer Gefühle wie einer inneren Leere. Die Betroffenen kommen in einen Teufelskreis: Der Drang nach Anerkennung und Bestätigung oder Gefühle wie Ärger und Stress verführen zum Kaufen. Das Kaufen führt nach kurzer Zeit zu Schuldgefühlen und Depressionen. Diese unangenehmen Gefühle versuchen Betroffene dann wieder mit Konsum zu betäuben.

Die Wurzeln für das Suchtverhalten liegen in der Kindheit: Mangel an Zuwendung und Anerkennung, Mangel an Liebe und Geborgenheit. Betroffene mussten sich die Zuwendung der Eltern verdienen, durften Gefühle nicht frei äußern. Sie haben erlebt, dass sie als Person nicht wichtig sind. Als Entschädigung gab es vielleicht Spielzeug. Als Erwachsene haben sie nicht gelernt, sich selbst ein gesundes Selbstwertgefühl zu verschaffen. Der Konsum ist für Kaufsüchtige der vergebliche Versuch, Minderwertigkeitsgefühle zu betäuben.

Untersuchungen zeigen: Je geringer das Selbstwertgefühl, desto eher lassen sich Menschen zum Kaufen verführen.

Das hat damit zu tun, dass das Kaufen das Belohnungssystem aktiviert und wir durch das Kaufen mit guten Gefühlen belohnt werden. Manche Menschen haben als Kind auch unter materieller Entbehrung gelitten und werden aus diesem Mangelempfinden heraus kaufsüchtig. Der Kauf bedeutet einen Ersatz an Zuwendung. Kaufsuchtkranke haben auch nicht gelernt, sich mit Konflikten auseinanderzusetzen.

Probleme in der Familie, Sorgen um den Arbeitsplatz, eine quälende innere Leere, Frustrationen oder Einsamkeit werden mit Konsum verdrängt. Besonders Frauen wollen mit dem Kaufen von Kleidung, Make-up und Schmuck ihre Unzufriedenheit mit ihrem Äußern bekämpfen. Männer häufen eher technische Geräte, wie Kameras und Computer, an.

Auch gesellschaftliche Bedingungen spielen eine Rolle: Das Kaufen ist gesellschaftlich akzeptiert und wird gefördert. Kreditkarten erleichtern das Geldausgeben ebenso wie die Möglichkeit, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche Bestellungen über das Internet zu tätigen.

Anzeichen für eine Kaufsucht

Eine Kaufsucht äußert sich in vielerlei Denk- und Handlungsweisen. Der Psychotest Kaufsucht gibt Ihnen erste Hinweise, ob Sie an einer Kaufsucht erkrankt sind oder kaufsuchtgefährdet sind.

Wer ist betroffen?

60 Prozent sind Frauen, vor allem jüngere Frauen zwischen 20 und 30 Jahren. Die Sucht geht durch alle Schichten. Nach einer Untersuchung der Universität Hohenheim sind 9 Prozent der Bundesbürger kaufsüchtig, und 23 Prozent stark kaufsuchtgefährdet. Betroffene haben ein schwaches Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen und neigen zu Depressionen.

Worin besteht der eigentliche Kick beim Kaufen?

Die Formel heißt: Ich kaufe, also bin ich wer. Kaufen vermittelt das Gefühl, sich etwas Gutes zu tun. Kaufen wird zum Erlebnis. Beim Kaufen erlebt der Betroffene, beachtet und umworben zu werden. Er fühlt sich aufgewertet, sein Selbstwertgefühl steigt. Die Stimmung hellt sich wie bei der Einnahme einer Droge kurzfristig auf, weil durch das Kaufen das Belohnungszentrum im Gehirn aktiviert wird. Oder das Kaufen wirkt als Beruhigung bei unguten Gefühlen. Das Selbstwertgefühl wird gestärkt. Es entsteht der Eindruck, Kontrolle über das Leben zu haben.

Sind Kaufsucht, zwanghaftes Geldausgeben und Verschwendungssucht dasselbe?

Die Grenze zwischen Kaufrausch und dem Zwang zum Kaufen sind fließend. Viele Menschen gehen ab und zu zum Einkaufen, um sich zu trösten, kaufen aus Lust, Unzufriedenheit (Frustkäufe) oder Langeweile. Solange dies nur anfallsweise auftritt, handelt es sich um ein normales Kaufverhalten und es besteht keine Kaufsucht. Es ist eher ein Kaufrausch oder eine Kauflust, die unter Kontrolle sind.

Wie begründen und verschleiern Kaufsüchtige ihre Kaufsucht?

Vor sich und anderen begründen Betroffene ihren Konsum mit Worten wie: Es sind nur Sonderangebote. Ich habe viel Geld gespart. Das Geld ist selbstverdient. Ich lasse mir keine Vorschriften machen, wofür ich mein Geld ausgebe. Schulden mache ich keine. Ich habe die Kontrolle über meine Käufe. Ich wollte nur mal bummeln und schauen gehen. Dafür spare ich jetzt in nächster Zeit.

Viele Kaufsüchtige verstecken ihre Einkäufe aus Schuldgefühlen, Scham oder Angst, für ihr ungezügeltes Konsumverhalten kritisiert zu werden oder verschenken das Gekaufte.

Neigen Kaufsüchtige auch zu anderen Süchten?

Ja, wenn man Kaufsüchtigen die Möglichkeit nimmt, einkaufen zu gehen und die Ursachen (s. o.) nicht beseitigt, werden sie sich möglicherweise ein anderes Suchtverhalten zulegen.

Was tun, wenn man unter Kaufsucht leidet?

Wer kaufsüchtig ist, schafft es in der Regel nicht, aus eigenen Kräften davon loszukommen. Dem Kaufzwang zu widerstehen erleben die meisten Betroffenen als zu schwer. Deshalb ist eine psychotherapeutische Unterstützung und/oder der Besuch einer Selbsthilfegruppe meist die einzige Möglichkeit, eine Kaufsucht zu überwinden. Der Kaufzwang verschwindet, wenn die Ursachen – frustrierende Arbeitsbedingungen, schwierige Beziehung, Konflikte mit den Eltern, vor allem aber das negative Selbstwertgefühl – in einer Therapie beseitigt werden.

Die Leitfrage lautet dabei: Was brauche ich wirklich? Was fehlt mir? Zuwendung, Bestätigung, Selbstbewusstsein, eine sinnvolle Aufgabe? Wie kann ich mich mehr befriedigt und ausgefüllt fühlen, ohne zu shoppen und Geld auszugeben? Mehr zum Thema in Das Leben lieben, nicht die Dinge.

Auf jeden Fall muss man sich zuerst eingestehen, dass man süchtig ist und mit seiner Sucht etwas kompensieren will. Erst dann ist der Weg frei für eine Heilung.

Betroffene sollten ihre Kredit- und Kundenkarten abschaffen, nur mit Einkaufszettel und Bargeld einkaufen, Spontankäufe vermeiden, den Dispositionskredit herabsetzen, nur in Begleitung des Partners einkaufen. Hilfreich ist es auch, Konsumgüter für einige Stunden oder einen Tag zurücklegen zu lassen und die Kaufentscheidung nochmals zu überschlafen.

Wie bei jedem Suchtverhalten ist der Weg zweigleisig:

1. Unterbrechen des Suchtverhaltens

2. Ursachen des Suchtverhaltens beseitigen, u. a. durch:

  • Erarbeitung eines gesunden Selbstwertgefühls
  • Erlernen von Konfliktlösestrategien
  • Aufbau von befriedigenden Freizeitaktivitäten
  • Erlernen von Selbstbehauptungsstrategien

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Jenny schreibt am 30.06.2020

Ich bin kaufsüchtig aber in Therapie seit 2Jahren ... ich war leidenschaftliche Amazonkäuferin hauptsächlich Sachen für die kinder und mich wurden gekauft.... aber heute Abend habe ich mein Konto bei Amazon gelöscht und endlose Gespräche mit meinen Mann gesucht der war fassungslos.... aber er ist's auch mein Fels in der Brandung!!! Leute gebt euch nicht auf !!!! Glaubt an euch eure Ziele mein Motto lautet man kann den Wind nicht ändern aber die Segel anders setzen....

Unknow Social Media User schreibt am 28.05.2020

Danke für die Tipps,seit ein paar Monaten habe ich kaufsucht,es ist mir erst vor einigen Wochen aufgefallen,als ich innerhalb einer woche ca 45-50 Euro für nicht allzu wichtige sachen ausgegeben habe.Seitdem versuche ich mit allen mitteln die kaufsucht zu Stoppen.Ich bin ihnen sehr dankbar für diese Tipps,und ich werde auf jeden fall versuchen meine kauflust so gut wie möglich zu stoppen.

W1990 schreibt am 16.03.2020

Ich war 7 Jahre kaufsüchtig weil ich aus einer kaputten Familie komme. Neidische, hasserfüllte Geschwister und eine unterdrückende psychisch erkrankte Mutter wo ich aufwachsen musste waren einer der Gründe dafür. Hinzu kam über 15 Jahre lang Mobbing in der gesamten Schul- und Ausbildung. Nun bin ich 29 habe keine Familie und keine Freunde. Habe Schulden und Schufaeinträge. Und werde dennoch niemals aufgeben aus der Hölle irgendwann wieder hinaus zukommen. "Nur wer nicht kämpft kann verlieren"Allen Betroffenen alles gute für die Zukunft

K. Ritter schreibt am 17.02.2020

Ich finde diese seite sehr informationts reich und bedanke mich für die hilfe vielen dank und ein schönen tag noch die Karin Ritter

H...... schreibt am 12.01.2020

Bei mir ist das so ich war in der Kindheit in der Heimat bei den Großeltern und vor der Einschulung. Kam ich wieder zurück nach Deutschland. Musste die Vorschule wiederholen da ich ein ruhiger Mensch bin und schon immer einer war. Ich sehe vieles negativ werde jetzt in drei Monaten dreizig und hatte keine einzige Beziehung. Die Zukunft macht mir schon Angst Selbstbewusstsein habe ich auch gleich null. Es ist halt so wen ich mein Gehalt bekomme denke ich mir ok kannst dir was gönnen und kaufe dann paar Sachen. Damals habe ich auch noch Glücksspiel getrieben. Und wen ich was kaufe verdrängt das meine Einsamkeit für paar Stunden obwohl ich noch bei meinen Eltern lebe. Wen man bedenkt ich habe jetzt knapp 30.000€ gespart aber arbeite schon seit knapp 10 Jahren mit Ausbildung zusammen als Koch ok Gehalt liegt im Schnitt etwa bei 1300€. Ist das halt ein Witz. All die Jahre war mir das garnicht bewusst erst als ich letztens mich mal hingesetzt habe um mich um eine bessere Stelle zu bewerben wurde mir erst bewusst wie viel Geld ich verschwändet habe. Und seit dem habe ich Schuldgefühle und schlafe unruhig habe Angst das einer das mitbekommt. Ich versuche das jetzt in Griff zu bekommen

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