Tipps für den unfreiwilligen Vorruhestand

Wenn wir unfreiwillig in den Vorruhestand gehen dann haben wir mit vielen Problemen zu kämpfen. Wie mit einer Frührente umgehen?

Tipps für den unfreiwilligen Vorruhestand
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Sie wurden vorzeitig entlassen und müssen unfreiwillig in den Vorruhestand gehen? Hier ein paar Tipps, wie Sie emotional mit dem vorzeitigen Ruhestand umgehen können.

Die meisten von uns haben, wenn sie an ihren Ruhestand denken, einen konkreten Zeitpunkt im Kopf, an dem sie in Ruhestand gehen können.

Auf diese Phase in ihrem Leben arbeiten sie hin und freuen sich darauf.

Ganz anders ist es, wenn wir von unserem Arbeitgeber vorzeitig entlassen werden oder aus gesundheitlichen Gründen früher in Rente gehen müssen.

Dann ist dies quasi keine freiwillige Entscheidung von uns und wir fallen aus der zeitlichen Norm.

In diesem Fall tun wir uns erheblich schwerer, unseren Ruhestand zu akzeptieren, geschweige denn, uns darüber zu freuen.

Zum einen haben wir die Veränderungen zu verkraften, die ich in meinem Artikel Tipps für den Ruhestand beschrieben habe.

Zum anderen können wir uns durch unsere negative Haltung unsere Situation noch zusätzlich erschweren.

Womit man sich den Vorruhestand erschwert

Wenn uns der Ruhestand vorzeitig verordnet wird und wir noch weiter arbeiten wollten, dann benötigen wir einige Zeit, um uns mit der Frührente zu arrangieren.

In dieser Zeit sehen wir den Ruhestand, uns und die Zukunft sehr negativ:

  • Wir plagen uns mit Selbstzweifeln, fühlen uns nutzlos: „Keiner will mich mehr haben.“ „Ich bin zu nichts mehr nutze.“ „Ich bin nur noch ein Nichts.“ „Ich bin kein Mann mehr.“
  • Wir befürchten, dass andere schlecht über uns denken und nichts mehr mit einem Versager zu tun haben wollen.
  • Wir haben vielleicht Selbstmordgedanken, weil wir keinen Ausweg aus unserer Situation sehen.
  • Wir grollen unserer Firma bzw. unserem Chef, dass er uns entlassen hat, obwohl wir uns all die Jahre für die Firma eingesetzt haben. Wir sind verbittert und gekränkt.
  • Wir grübeln darüber nach, warum es uns treffen musste.
  • Wir hadern mit dem Schicksal, dass wir schwer krank wurden.
  • Wir haben Angst, dass unsere Erkrankung fortschreiten wird.
  • Wir haben Angst, dass es uns finanziell nicht reicht.
  • Wir haben Schuldgefühle, uns zu wenig für die Firma oder für unsere Gesundheit eingesetzt zu haben.
  • Wir fühlen uns einsam und leiden unter dem Verlust des Kontaktes zu unseren Kollegen.
  • Uns fehlen die Tagesstruktur, Aufgaben und ein Lebenssinn, da wir noch nicht auf den vorzeitigen Ruhestand vorbereitet sind.

Die Folgen dieser Selbstzweifel und negativen Gedanken schlagen sich in unserem Körper, unserer Seele und unserem Verhalten nieder.

  • So können wir z.B. gesundheitliche Probleme bekommen: Schlafstörungen, Appetitverlust oder Heißhungerattacken, Herz-Kreislauf- oder Magen-Darm-Probleme.
  • Wir können depressiv werden und uns zurückziehen.
  • Wir können uns zu nichts mehr aufraffen und fühlen uns gelähmt.
  • Wir können uns in blinden Aktionismus stürzen.
  • Wir können Suchtprobleme bekommen, weil wir unsere Gefühle mit Alkohol oder Medikamenten betäuben wollen.
  • Es kann zu Konflikten mit unserem Partner oder Angehörigen kommen, weil wir gereizt und jähzornig sind.

Wie mit dem Vorruhestand umgehen?

Beginnen Sie bei Ihrer Einstellung zu sich.

Wie andere Menschen Sie sehen, ob diese Sie wegen Ihrer Berentung negativ sehen und ablehnen, darauf haben Sie keinen Einfluss.

Wahrscheinlich werden Sie auf die unterschiedlichsten Haltungen stoßen: auf Neid, dass Sie schon aus der beruflichen Tretmühle raus sind ..., auf Missgunst, dass Sie sich auf Kosten anderer ausruhen, auf Mitleid, dass Sie nicht mehr arbeiten dürfen oder können, oder auf Ablehnung, weil andere Sie als schwach oder unfähig ansehen.

Entscheidend ist, dass Sie sich selbst nicht fallen lassen und ablehnen. Sie haben lediglich das Arbeitsleben in dieser Form abgeschlossen.

Ihre Qualitäten, Ihre Erfolge und Talente bleiben erhalten. Sie können durchaus auch jetzt noch etwas für die Gesellschaft beitragen – wenngleich nicht mehr das, was Sie bisher gemacht haben.

Lernen Sie, das Verhalten Ihrer Firma zu akzeptieren.

Versetzen Sie sich in die Position Ihres Chefs. Wie hätten Sie sich an seiner Stelle verhalten?

Hat er eine Alternative zu Ihrer Entlassung gehabt? Welche äußeren Gründe haben dazu beigetragen, dass er Sie in Frührente geschickt hat? War es tatsächlich ein Schlag gegen Sie persönlich?

Überlegen Sie, welche Folgen Ihr Hadern und Nicht-Akzeptieren für Sie haben. Können Ihr Leiden und Ihre Wut die Gerechtigkeit wiederherstellen?

Wie wäre es, wenn Sie die Entscheidung akzeptierten - auch wenn Sie ungerecht, fies, rücksichtslos, hinterhältig, egoistisch, gemein, ... war? Nur um Ihrer selbst willen!

Ersetzen Sie den Gedanken: „Wie können die mich nur so behandeln?“ durch „Welche Möglichkeiten stehen mir nun offen? Was kann ich beeinflussen?“

Lernen Sie, zu akzeptieren, dass Sie erkrankt sind und deshalb nicht mehr arbeiten können.

Es ist ganz normal, dass Sie zunächst gegen Ihre Erkrankung ankämpfen und nach deren Ursachen forschen. Sie werden jedoch vermutlich keine befriedigende Erklärung dafür finden.

Nutzen Sie stattdessen Ihre Energie dafür, was Sie jetzt noch an Möglichkeiten haben, Ihre Lebensqualität zu verbessern.

Ersetzen Sie den Gedanken: „Warum ich?“ durch „Welche Möglichkeiten stehen mir noch offen?“

Entwickeln Sie einen neuen Lebensentwurf.

Wenn sich eine Tür schließt, dann öffnet sich immer eine neue Tür. Suchen Sie gezielt nach dieser Tür. Fragen Sie sich:

  • Was fehlt mir in dieser neuen Situation?
  • Wie kann ich die Lücke ganz oder zum Teil schließen?
  • Wo kann ich neue Kontakte finden, um meine Einsamkeit zu überwinden?
  • Kann ich meine Rente durch eine Nebenbeschäftigung aufbessern, um meine Verarmungsängste abzubauen?
  • Was kann ich tun, um meinen Körper zu stärken und der Krankheit Einhalt zu gebieten?
  • Wie kann ich meinen Tag gestalten?
  • Welches Hobby würde mir Spaß machen?
  • Welche Arbeiten könnte ich zuhause übernehmen?
  • Wo möchte ich mich ehrenamtlich engagieren, um meinem Leben einen neuen Sinn zu geben?
  • Wie kann ich die freie Zeit nutzen, um mehr mit meiner Familie zu unternehmen?

Holen Sie sich Unterstützung.

Vielleicht haben Sie das Gefühl, Sie seien der einzige Mensch, der mit seinem vorzeitigen Ruhestand nicht klar kommt. Dem ist  jedoch nicht so.

In unserer Gesellschaft ist es gang und gäbe, dass wir uns über unsere Arbeit definieren. Bricht diese weg, geraten wir leicht in eine emotionale Krise.

Bleiben Sie deshalb nicht mit Ihren Gedanken und Gefühlen allein. Sprechen Sie mit Ihrem Partner darüber.

Oder nehmen Sie Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe, z.B. bei Nakos oder zu einem Psychotherapeuten auf.

Insbesondere dann, wenn Sie Selbstmordgedanken haben oder täglich zum Alkohol greifen, sollten Sie sich therapeutische Hilfe holen.

Die Kosten einer Psychotherapie werden von den Krankenkassen übernommen.

Wie gehen Sie mit dem vorzeitigen Ruhestand um?

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Martina Schwenger schreibt am 05.06.2019

Ich glaube nicht,das ich anderen mit meiner Erfahrung helfen kann. Bin eine von denen,die voller selbstzweifeln ist und alles nur negativ sieht. Gäbe es einen Schalter in mir,würde ich ihn drücken um mal wieder unbeschwert zu sein. Bin 57Jahre und seit 2Jahren erwerbslos.

Nina schreibt am 14.06.2018

Ich merke, dass es mir peinlich ist, dass ich mit 56 Jahren in Ruhestand bin und dass ich es gerne verheimliche. Aber so allmählich kann ich mich damit arrangieren. Ich habe leider immer Mißempfindungen in den Beinen und kann deshalb nur begrenzt Sport treiben. Vor einem Jahr habe ich angefangen, Schach zu spielen und bin in einen Verein gegangen.. Das war eine sehr gute Idee. Es macht jede Menge Spaß, ich habe viele nette Menschen kennengelernt. Der Verein hat Mitglieder im Alter von 5 bis 90 Jahren. Das ist ein Hobby, was auch noch geht, wenn der Körper nicht mehr mitspielt.

Hans Klein schreibt am 10.01.2018

Gute Ratschläge für gesunde Menschen. Dem Kranken helfen sie wenig. Bei Gehbehinderung und knapper Rente ist vieles, würde fast sagen fast alles unmöglich. Geld um sich Hilfe zu besorgen hat man keines.Durch die Gehbehinderung vereinsamt mansehr schnell da sozialer Kontakt nicht so einfach machbar ist. Keiner klopft an die Tür und fragt kann man Helfen. Andere um Hilfe bitten können viele auch nicht. Schade aber so ist unsere Leistung orientierte Gesellschaft gestrickt. Alt, Krank und Arm ist halt nicht gern gesehen, und viele wollen sich damit nicht abgeben. Leider.

susann schreibt am 28.11.2017

Schwierig.Ich bin mit 40 aus dem Berufsleben geflogen,wg einer psychischen Erkrankung,an der überhaupt nichts normal war.Und die auch medikamentenresistent war.Eine Psychologin hat mir dann zum Durchbruch verholfen,ich bin als geheilt entlassen.Da ich nur 15 Berufsjahre habe muss ich Sozialgeld beanspruchen-die maximale Unfreiheit.400 Euro zum Leben,kein Hinzuverdienst,jede Einzahlung aufs Konto muss belegt/gerechtfertigt werden.Mehr als 10 Euro sind illegales Einkommen,auch wenns nur zurückgelegtes Wirtschaftsgeld ist.Und anders als H4-Empfänger hab ich lebenslänglich-das ist an Entrechtung und Entwürdigung nicht zu überbieten.Das sollte mal einer ändern wollen!Teilhabe findet wg weiter Wege,Menschenscheu und teuren Fahrkarten zu 80% im Internet statt,aber ich habe sehr gute Freunde-ohne die...die Vorstellung dass das nun immer so weiter geht lässt den der Heilung tw nicht so recht erkennen aber ich habe mir Aufgaben und Bildungsmöglichkeiten gesucht und halte mich wacker-wenn auch auf dem Abstellgleis....Was meinen Sie,Frau Kress-Knapp?

Elke Pritzkat schreibt am 28.08.2017

Ich bin aufgrund der Folgen einer Chemotherapie berentet und ich war schon entsetzt, wie wenig Rente ich nach 35 Jahren Vollzeit als Sozialarbeiterin bekomme. Also habe ich mir den von der Rentenversicherung gestatteten Minijob gesucht und arbeite jetzt als Badewärterin in einem Schwimmbad. O20hne den müßte ich umziehen und mein Auto abschaffen. Ansonsten bin ich zufrieden.Z.Z. bin ich seuchenfrei. Ich habe verschiedene Hobbies, FreundInnen und Familie. Und da ich Sorgen und Nöte kommuniziere, werde ich auch liebevoll unterstützt.

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 Wie mit dem Vorruhestand umgehen?
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